C. Kreul GmbH & Co. KG

Seit 185 Jahren bringt die C. Kreul GmbH & Co. KG Farbe in die Welt. Das traditionsreiche Familienunternehmen aus Hallerndorf beweist eindrucksvoll, dass Beständigkeit und Innovationskraft Hand in Hand gehen: Als Experten für Kinder-, Künstler- und Kreativfarben setzen die rund 90 Mitarbeitenden konsequent auf Nachhaltigkeit – von wasserbasierten Rezepturen bis hin zu recycelten Verpackungen. Lange bevor „Green Business“ zum Trend wurde, begann KREUL damit, die eigene Produktion ökologisch umzukrempeln. Ein Gespräch mit Dr. Florian Hawranek über den Mut, als Mittelständler anspruchsvollere, aber nachhaltigere Wege zu gehen, und wie eine farbenfrohe Zukunft verantwortungsvoll gestaltet werden kann.

C. Kreul GmbH & Co. KG wurde 2026 mit dem 1. Platz beim Eco Pioneers Preis ausgezeichnet.

Entwicklungsziele (SDGs): C. Kreul GmbH & Co. KG

Gesund­heit und Wohl­ergehen
Bezahlbare und saubere Energie
Industrie, Innovation und Infra­struktur
Verantwortungs­volle Konsum- und Produktions­muster
Maßnahmen zum Klimaschutz
Leben an Land

Entwicklungsziele (SDGs): C. Kreul GmbH & Co. KG

Gesund­heit und Wohl­ergehen
Bezahlbare und saubere Energie
Industrie, Innovation und Infra­struktur
Verantwortungs­volle Konsum- und Produktions­muster
Maßnahmen zum Klimaschutz
Leben an Land

Interview mit Herrn Dr. Hawranek

KONTAKT

C. Kreul GmbH & Co. KG
Carl-Kreul-Straße 2
91352 Hallerndorf
www.c-kreul.de

Nachhaltigkeit bedeutet für mich vor allem eines: langfristig zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Genau dieses Denken zeichnet mittelständische Familienunternehmen aus – und hat bereits meinen Großvater und später meine Mutter geprägt. Wer ein Unternehmen über Generationen hinweg führt, trifft Entscheidungen für die nächsten Jahrzehnte.

Einen einzelnen „grünen Ruck“ im klassischen Sinne gab es deshalb bei uns nicht. Nachhaltigkeit war schon immer Teil unserer Haltung. Mit der Übernahme des Unternehmens im Jahr 2014 gab es jedoch einen entscheidenden Wendepunkt für mich persönlich.

Für mich steht fest, dass jeder Mensch einen Beitrag leisten kann, die Welt ein Stück nachhaltiger zu machen. Als Unternehmer habe ich jedoch die Möglichkeit, eine deutlich größere Wirkung zu entfalten – durch Investitionen, Innovationen und die Art, wie ein Unternehmen geführt wird. Genau diese Chance will ich nutzen.

Deshalb war die Unternehmensübernahme für mich der Startschuss, unser Unternehmen konsequent noch klimafreundlicher und ressourcenschonender auszurichten.

Die größte Einzelmaßnahme war sicherlich die Umstellung auf Ökostrom. Dadurch konnten wir unseren CO₂-Fußabdruck deutlich reduzieren.

Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, den Erfolg nur auf diesen einen Hebel zurückzuführen. Die Reduktion unseres CO₂-Ausstoßes ist das Ergebnis vieler konsequenter Entscheidungen. Dazu gehören unter anderem die schrittweise Umstellung auf firmeneigene Elektrofahrzeuge sowie die Investitionen in energieeffizientere Maschinen und die Beleuchtung im Gebäude.

Aus meiner Sicht entstehen nachhaltige Veränderungen nicht durch eine einzige große Investition, sondern durch gezielte und konsequente Entscheidungen. Dieser kontinuierliche Verbesserungsprozess hat es uns ermöglicht, unsere Emissionen in drei Jahren deutlich zu senken.

Wir sind überzeugt, dass wasserbasierte Farben und Medien in nahezu jeder Hinsicht die bessere Lösung sind – sowohl im Hinblick auf den Gesundheitsschutz bei der Verarbeitung als auch auf die ökologischen Auswirkungen. Deshalb arbeiten wir seit vielen Jahren konsequent daran, ihren Einsatz kontinuierlich auszubauen.

Die verbleibenden sechs Prozent stellen allerdings die technisch herausforderndsten Anwendungen dar. Unser Anspruch ist es, Nachhaltigkeit ohne Abstriche bei der Qualität zu erreichen. Ein wichtiges Qualitätskriterium einer Farbe ist deren Haftung auf dem bemalten Untergrund, was ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet, weil die Gegenstände dadurch seltener nachbearbeitet werden müssen.

Unsere Entwicklungsarbeit konzentriert sich deshalb auf zwei Bereiche: Zum einen hinterfragen wir grundsätzlich, ob zusätzliche Medien wie Lacke für eine bestimmte Anwendung überhaupt erforderlich sind. Gerade im Innenbereich ist das häufig nicht der Fall, sodass wir bewusst darauf verzichten können – auch wenn das im Einzelfall sogar unseren Umsatz reduziert. Zum anderen arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern daran, Rohstoffe und Rezepturen so weiterzuentwickeln, dass wasserbasierte Systeme die gleiche Haftung und Widerstandsfähigkeit erreichen wie lösemittelbasierte.

Unser Ziel ist klar: Bis spätestens 2035 möchten wir vollständig auf lösemittelbasierte Farben und Lacke verzichten, ohne Kompromisse bei Qualität, Langlebigkeit oder Sicherheit einzugehen.

Seit dem Umzug des Unternehmens KREUL im Jahr 1996 auf unser heutiges Gelände in Hallerndorf haben wir Wert auf eine naturnahe Gestaltung unserer Außenanlagen gelegt.

Einen zusätzlichen Impuls gab das große Volksbegehren „Rettet die Bienen“ im Jahr 2019. Die breite öffentliche Diskussion über den Rückgang der Artenvielfalt hat uns darin bestärkt, noch gezielter Maßnahmen umzusetzen und unsere Flächen bewusster für den Erhalt der Biodiversität einzusetzen.

Die konkrete Perspektive, sich als „Blühenden Betrieb“ auszeichnen zu lassen, hat uns aufgezeigt, wie wir unsere Flächen noch gezielter und wirkungsvoller gestalten können, um einen Beitrag für unsere heimische Natur zu leisten. Besonders wertvoll war dabei die fachliche Unterstützung durch die Verantwortlichen des Projekts.

Blühende Flächen sind mehr als eine optische Bereicherung. Sie schaffen Lebensraum, Nahrungsquelle und Rückzugsort für viele Insektenarten. Mit jeder Blühfläche, jeder Hecke und jeder naturnah gestalteten Ecke auf unserem Betriebsgelände entsteht ein weiterer Baustein in einem regionalen Ökosystem.

Die Verpackung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Unser Ziel ist es, Verpackungen so ressourcenschonend wie möglich zu gestalten und dabei den gesamten Lebenszyklus zu betrachten.

Bei allen Verpackungsarten, ob Glas, Kunststoff oder Karton, setzen wir, wo dies technisch möglich und sinnvoll ist, auf recycelte Materialien. Gleichzeitig ist uns die Recyclingfähigkeit wichtig, d.h. dass eine Verpackung nach ihrer Nutzung möglichst wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden kann.

Der wichtigste Grundsatz lautet für uns jedoch: Vermeiden, was nicht notwendig ist. Deshalb prüfen wir kontinuierlich, wo wir Material reduzieren können, ohne die Schutz- und Transportfunktion zu beeinträchtigen. So ist es beispielsweise häufig möglich, die Materialstärke von Kartonagen oder Kunststoffgebinden zu verringern und trotzdem die erforderliche Stabilität sicherzustellen. Zudem werden zusätzliche Umverpackungen oder besonders aufwendige Präsentationslösungen kritisch hinterfragt.

Ein Beispiel dafür sind Farbsets: Muss eine Verpackung größer sein, damit ein Produkt wertiger erscheint, oder können wir auch hier Material einsparen und trotzdem ein hochwertiges Kundenerlebnis schaffen?

Tipps von Herrn Dr. Hawranek für mehr Nachhaltigkeit im Betrieb:

Haben Sie Tipps, wie man schon auf einfachem Weg nachhaltige Schritte im Betrieb umsetzen kann?

Ich bin überzeugt, dass nachhaltiges Denken langfristig auch wirtschaftlichen Erfolg schafft. Wer nachhaltig handelt, trifft Entscheidungen mit Weitblick – und genau das ist die Grundlage eines gesunden Familienunternehmens.

Viele Maßnahmen zahlen sich unmittelbar aus. Gerade dort, wo Nachhaltigkeit bedeutet, Ressourcen einzusparen, sinken auch die Kosten. Andere Investitionen, beispielsweise in Photovoltaik oder energieeffiziente Technologien, erfordern zunächst einen höheren Mitteleinsatz, amortisieren sich aber über die Jahre und eröffnen gleichzeitig neue Handlungsspielräume.

Und selbst Maßnahmen, die sich nicht unmittelbar in Ertrag messen lassen, sind häufig eine lohnende Investition. Unser Engagement für die Artenvielfalt z.B. stärkt die Identifikation unserer Mitarbeitenden mit dem Unternehmen und erhöht unsere Attraktivität – sowohl bei Kunden als auch als Arbeitgeber.

Mein Rat an andere Traditionsunternehmen lautet deshalb: Warten Sie nicht auf die perfekte Lösung. Nachhaltigkeit beginnt nicht mit den großen Projekten, sondern mit der Bereitschaft, den ersten Schritt zu gehen. Viele kleine Maßnahmen entfalten zusammen eine erstaunlich große Wirkung. Man muss nicht von Anfang an alles perfekt machen – aber man sollte anfangen.